Zum Saisonabschluss zeigten sich die meisten Athleten bereits auf die
zweite Jahreshälfte fokussiert und benutzten den Wettkampf als Testfeld
für neue Elemente.
Bereits 1921 fanden in Biel die ersten Eidgenössischen Kunstturntage statt. Damals, als noch keine Schweizer Meisterschaften durchgeführt wurden, waren dies die nationalen Höhepunkte einer Kunstturnerkarriere. So liessen sich beispielsweise Turngrössen wie Georg Miez (1930, Winterthur-Töss), Walter Lehmann (1942 und 1945, Richterswil), Robert Bretscher (1976, Winterthur-Wülflingen), Donghua Li (1994, BTV Luzern) oder zuletzt – 2004 in Bern – Andreas Schweiz (STV Wetzikon) und Melanie Marti (Kutu Glarnerland) in die Siegerlisten eintragen. Inzwischen sind die Kunstturner im Schweizerischen Turnverband (STV) integriert und seit 2001, nach dem Zusammenschluss der nationalen Turnverbände, starten auch Frauen an den traditionellen Schweizer Kunstturntagen. Es ist neben dem Eidgenössischen Turnfest die einzige Turnveranstaltungen, wo Kunstturner und Kunstturnerinnen gemeinsam in sämtlichen nationalen Kategorien antreten.
Die diesjährige Durchführung fiel in eine Übergangsphase. Denn die nationalen Athleten, die Junioren- und Nachwuchskader, richteten in der ersten Saisonhälfte alles auf die Schweizer Junioren Meisterschaften aus. Nun sind sie bereits wieder in einer Lernphase hinsichtlich der Kaderqualifikationen im Herbst. Die international aktiven Athleten bauten ihre Form auf die Europameisterschaften in Birmingham hin auf und sind nun im Aufbau auf den zweiten internationalen Höhepunkt dieser Saison, die Weltmeisterschaften Mitte Oktober in Rotterdam. Zudem geht es langfristig darum, sich über diese WM 2010 und dann insbesondere an der WM 2011 in Tokio für die Olympischen Spiele 2012 in London zu qualifizieren. Langfristige und hochgesteckte Zielstellungen, denen alles untergeordnet werden muss – nicht zuletzt auch ein Start an den Schweizer Kunstturntagen. Neben Ariella Kaeslin (BTV Luzern), die sich hinsichtlich des WM-Aufbaus schont, laborieren weiterhin die Entdeckung der EM 2009 in Milano, Yasmin Zimmermann (Uetendorf), und die talentierte Juniorin Sara Catanzaro (Stein-Fricktal) an Verletzungen. Bei den Männern musste neben Danny Groves (BTV Luzern) und dem jungen Barren- und Reckvirtuosen Lukas Fischer, die beide Fussoperation auskurieren auch der fünffache Schweizermeister Niki Böschenstein verzichten, der an einer Achillessehnenverletzung leidet.
Den Startenden war anzusehen, dass sie sich bereits mit der zweiten Saisonhälfte beschäftigen. Standardübungen werden umgebaut und angepasst, neue Elemente ausprobiert, Kombinationen ausgetestet. „Ich will an den Schweizermeisterschaften der Elite zwei Sprünge mit Ausgangswert 6.60 Punkten zeigen“, so stellvertretend der Embracher Marco Rizzo, Teilnehmer der EM-Silberriege von Birmingham. Auch seine Konkurrenten zeigten sich ähnlich ambitiös, sodass etliche interessante Entwicklung ausgemacht werden konnten, welche zwar noch nicht perfekt vorgetragen wurden, aber das Potential, insbesondere bei den jungen Athleten, aufzeigten.
So sicherten sich Claudio Capelli und Jessica Diacci an den 3. Schweizer Kunstturntagen in Rheineck mit grossem Vorsprung die Titel in den Hauptklassen. Linda Stämpfli (TV Urdorf) holte Silber bei Frauen, Kimon Wegmann wurde vierter bei den Männern. Die Athleten des Zürcher Turnverbandes ZTV holten insgesamt 8 Medaillen. Neben Stämpfli gewann Taha Serhani vom TV Hegi Silber im nationalen Kürprogramm P5. Ebenfalls Silber gewann Marc Schumacher (TV Rickenbach) im P4, direkt vom Marco Baumgartner (TZ March), der im Regionalen Leistungszentrum des ZTV in Rümlang trainiert, aber für den Schwyzer Turnverband startet. Den totalen Zürcher Triumph feierten im Programm P3 Henjü Mbojo (TV Opfikon-Glattbrugg), Moreno Kratter (TV Rüti) und Marcin Schäfli (Kutu Freienstein-Rorbas), die in dieser Reihenfolge die Plätze 1-3 belegten. Lars Keller (STV Wetzikon) im P2 und Tim Randegger (TV Wädenswil) im P1 gewannen beide Bronze. Ein erfolgreicher Saisonabschluss, der Hoffnungen für die Zukunft macht.
Bericht: Ueli Schneider, Abteilungsleiter Spitzensport ZTV
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