Schweizer Meisterschaften Kunstturnen, 3./4. Oktober 2026 in Winterthur
Kunstturnen auf höchstem Niveau
Gleich zwei Olympioniken eröffneten die Schweizer Meisterschaften. An den Ringen der Aargauer Florian Langenegger und am Schwebebalken die Algerierin Kaylia Nemour. Die Olympiasiegerin und Weltmeisterin am Stufenbarren turnte in Winterthur ausser Konkurrenz und nutzte wie die Schweizerinnen und Schweizer den Anlass als Testwettkampf für die Weltmeisterschaften in zwei Wochen in Rotterdam.
Nemour startete mit 15,05 Punkten am Balken souverän in den Wettkampf. Am Stufenbarren zeigte sie eine Höchstschwierigkeiten nach der andern mit beeindruckender Leichtigkeit. Als ihr auch der Ausgang, der Doppelsalto gestreckt mit Schraube, gelang, strahlte sie und das Publikum tobte. Der Formtest ist geglückt, sie erhielt eine 15,600 (mit Schwierigkeitswert 7,4!) – zum Vergleich: an der WM im letzten Jahr holte sie mit 15,566 Gold.
Der WM-Formtest gelang den Schweizerinnen nicht ganz nach Wunsch, der eine oder andere Fehler schlich sich ein. Mit einem Zehntel Vorsprung auf die Tessinerin Lena Bickel durfte sich die Aargauerin Anny Wu zum ersten Mal als Schweizer Meisterin feiern lassen. Lena Bickel ärgert sich über den Sturz am Balken, unterstreicht aber: «Lieber heute als an der WM, ich will das Positive mitnehmen». Zum Positiven gehört für sie die Stimmung in der AXA Arena. «Es hatte viel mehr Publikum wie sonst, das Mitklatschen gab mir Kraft für die letzte Bahn am Boden.»
Als beste Zürcherin klassierte sich Samira Raffin (Kutu ZH-Oerlikon) im Mehrkampf der Elite auf dem sechsten Rang. Samira Raffin wird ebenfalls in Rotterdam die Schweiz vertreten.
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Kaylia Nemour, Algerien |
Samira Raffin, Kutu ZH-Oerlikon |
Tim Randegger, TV Wädenswil |
Packendes Duell
Nachdem bei den Männern Titelfavorit Noe Seifert aufgrund einer leichten Gehirnerschütterung Forfait gegeben hatte, lieferten sich Florian Langenegger und Matteo Giubellini ein spannendes Duell. Im vierten Durchgang missglückte Langenegger ausgerechnet sein Paradegerät, der Boden. Den eingehandelten Rückstand konnte er nicht mehr wettmachen. Im Gegenteil: Giubellini trumpfte als letzter Turner des Wettkampfs nochmals auf und erhielt am Pauschenpferd mit 14,000 Punkten die höchste Note aller Turnenden. Am Ende siegte Giubellini vor Langenegger, Bronze ging an den Tessiner Marco Riva.
Mit knappen 0,332 Punkten Rückstand auf Bronze klassierte sich Tim Randegger (TV Wädenswil) auf dem undankbaren vierten Rang. Er glänzte im Mehrkampf vor allem am Boden und am Reck, wo er jeweils die zweithöchste Note erturnte. Eine starke Leistung zeigten die jungen Turner des TV Opfikon-Glattbrugg. Der U21 Nationalkaderturner Nico Oberholzer wurde Fünfter und der 19-jährige Omar Ateyeh Achter. Ein starkes und wichtiges Resultat, das Ateyehs positive sportliche Entwicklung unterstreicht.
Ausserdem wurde Dominic Tamsel (TV Wädenswil/STP Malters) im Mehrkampf Sechster. Tamsel, der zum Schweizer WM-Team gehört, entschied sich in Winterthur den Mehrkampf zu turnen, obwohl er in Rotterdam ‘nur’ an Einzelgeräten zum Einsatz kommen wird. «Da keine Einturnhalle vorhanden ist, hätte ich bis zu meinem ersten Einsatz am Reck über eine Stunde warten müssen. Um im Wettkampf drin zu sein, entschied ich mich für den Mehrkampf. Es machte es für mich auch spannender, mit dem sechsten Rang bin ich zufrieden», so Tamsel und angesprochen auf den WM Formtest erklärte er: «Die Übungen an sich gelangen mir gut. Bei Abgängen machte ich Fehler und musste daher die Landung mit grossen Schritten korrigieren. Ich verschenkte somit sehr gute Note.» Er will nun in den verbleibenden zwei Wochen die richtigen Schlüsse ziehen, um an der WM perfekt abzuliefern. Überhaupt scheint das Schweizer Männerteam bereit zu sein. «Das Turnen in dieser Arena war megacool, eine gute Vorbereitung auf die WM. Wir turnten im Spotlight vor einem Kampfgericht, mit Publikum auf allen Seiten», meinte Langenegger. Die Vorfreude auf die WM sei nochmals gestiegen. In einer Woche reist er mit demselben Team, das an der EM im April Bronze gewann, nach Rotterdam: «Mal schauen, zu was es reicht. Wir sind auf alle Fälle topmotiviert.»
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Martina Eisenegger, Turnsport Rüti |
Nico Oberholzer, TV Opfikon-Glattbrugg |
Kiara Raffin, Kutu ZH-Oerlikon |
Fünf Medaillen in den Gerätefinals
Im Mehrkampf gelang Martina Eisenegger (TV Rüti) die Balken Übung mit u.a. Flic, Spreizsalto rw und freiem Überschlag vorwärts ausgezeichnet, sie erhielt mit 12,550 (D 5,0) Punkten die höchste Wertung. Im Final schlichen sich leider kleine Fehler ein. Die Note von 11,850 (D 4,6) reichte zu Bronze. Verbessern konnte sich dagegen Lia Schumacher (TV Urdorf), sie gewann mit 11,900 Punkten Silber und damit ihre erste SM-Medaille bei der Elite. Im Gerätefinal Boden zeigte Kiara Raffin (Kutu ZH-Oerlikon) ihre Kür mit viel Charme und durfte sich am Ende dafür die Silbermedaille umhängen lassen.
Bei den Männern gewann Tim Randegger Bronze am Sprung, leider verletzte er sich beim Einturnen an den Ringen, so dass er auf das Reckfinale (2. der Reck Quali) verzichten musste. Ebenfalls Forfait am Reck gab der Qualifikationsbeste Marco Pfyl. Aus Zürcher Sicht sprang der sechste der Qualifikation Nico Oberholzer in die Bresche. Der jüngste des Teilnehmerfeldes gewann Bronze.
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Anne-Sophie Meyer, Turnsport Rüti |
Tim Wolfer, TV Henggart |
Ilijana Hartmann, Turnsport Rüti |
Gute Resultate der Amateurinnen
Bei den Amateurinnen P6 gelang Anne-Sophie Meyer (TV Rüti) am Schwebebalken ein besonderes Highlight: Für ihre sensationelle Übung sicherte sie sich starke 11,450 Punkte. Durch dieses Top-Ergebnis blieb der Wettkampf spannend, bis die Entscheidung schliesslich beim abschliessenden Bodenturnen fiel. Am Ende durfte Meyer stolz die Bronzemedaille für den dritten Rang entgegennehmen. Auch Madleina Schürmann (TV Wädenswil) und Tabea Hug (TV Urdorf) überzeugte mit einem starken Wettkampf und konnten als Fünfte bzw. Siebte eines der begehrten SM-Diplome in Empfang nehmen.
Am Schluss des Samstagabends konnten Meyer und Schürmann nochmals jubeln. Dank der hoch bewerteten Balkenübung aus dem Amateur-Wettkampf belegte Anne-Sophie Meyer in der vereinten Elite-Rangliste den neunten Platz und verpasste den Finaleinzug zunächst nur haarscharf. Da jedoch eine Elite-Turnerin auf ihren Start im Final verzichtete, rückte Meyer nach. Als einzige Amateurin durfte sie damit den Einzug in den Balkenfinal als unvergessliches Highlight ihrer bisherigen Turnkarriere feiern. Dort erreichte sie den siebten Platz. Auch das Starterfeld im Sprungfinal war bunt gemischt und setzte sich aus Elite-Turnerinnen und Amateurinnen zusammen. Madleina Schürmann klassierte sich ebenfalls auf dem siebten Rang.
Bei den Amateuren P6 klassierten sich als beste Zürcher die beiden Turner des TV Henggart Christian Stroppa und Tim Wolfer auf dem 15. und 16. Rang. «Bis auf meine Bodenübung bin ich sehr zufrieden, v.a. wenn ich sehe, wie eng alles klassiert ist, ein Top Ten Platz liegt in Reichweite», sagte Wolfer, der im Gegensatz zu einigen vor ihm klassierten Turnern nie in einem nationalen Kader war.
Am Sonntagmorgen wurde in diesem Jahr zum ersten Mal auch die SM der P5 Amateurinnen (Altersklasse 13-15) im Rahmen der SM P6 ausgetragen. Die Zürcherinnen durften im Mehrkampf vier Diplome feiern: Ilijana Hartmann (TV Rüti) wurde vierte, Ina Dzienziol (TV Rüti) fünfte, Monica Ituarte (Kutu ZH-Oerlikon) sechste und Kayley Lim (Kutu Hinwil) siebte. Zudem gewann Hartmann, Dzienziol und Ituarte Silber in der Teamwertung.
Text: Renate Ried










